Dieser Film ist eine werkgetreue Adaption von Pierre Corneilles „Othon“, der klassischen Tragödie, die 1664 am Hof Ludwigs XIV. in Fontainebleau uraufgeführt wurde. Der Film schildert das Machtvakuum im Römischen Reich nach dem Tod Kaiser Neros: Angesichts einer Schar schmeichlerischer und intriganter Thronanwärter schuf Corneille mit Camille eine epische Heldin, die als Vorbild dafür gelten kann, dem Gewissen zu folgen, statt sich zu unterwerfen. Straub und Huillet verlegen die Handlung an antike Stätten, die vom modernen Rom umgeben sind, und betten sich selbst in ein komplex geschichtetes historisches Zeitgefüge ein.
Jean-Marie Straub (1933–2022) und Danièle Huillet (1936–2006) lernten sich in den 1950er-Jahren kennen. Da sie die Einberufung zum Algerienkrieg verweigerten, zogen die beiden nach Deutschland, wo sie unter anderem „Nicht versöhnt“ – nach einem Roman von Heinrich Böll – und „Chronik der Anna Magdalena Bach“ drehten. Nach 1969 ließen sie sich in Rom nieder und drehten weiterhin Filme, die die gängigen Formen filmischer Darstellung umstürzten und sich auf klassische Kunstwerke und zeitgenössische Texte des Widerstands von Persönlichkeiten wie Franz Kafka, Hölderlin, Corneille, Brecht und Schönberg stützten.