„Ich wollte einen Actionfilm drehen. Einen Actionfilm, in dem eine Frau vorkommt.“ Eben erzählt Yeonjeong vor einer gewaltigen Welle von ihrem Traum, schon rollt sie sich in einer Jiu-Jitsu-Schule mit heftigen Bewegungen über den Boden. Denn um Action zu verstehen, muss man zuerst den Körper verstehen. Deshalb lernt sie auch Surfen. „Recovery“ beginnt mit recht beschwingtem Schritt. Gerade als man sich fragt, ob dies ein Film über die sportlichen Herausforderungen der Regisseurin ist, öffnet Yeonjeong vorsichtig ihre „befleckte schwarze Kiste der Erinnerungen“. Erinnerungen, dunkel und furchterregend wie ein Abgrund, die niemand je wieder öffnen möchte, werden in Animationen umgesetzt, und man erkennt, dass ihre Sehnsucht nach Frauenaction mit ihrem Trauma verbunden ist. „Recovery“ dokumentiert das lange Ringen darum, sich selbst anzunehmen und zur nächsten Lebensphase überzugehen, nachdem man sich der Dunkelheit in alten Erinnerungen gestellt hat. So verwirklicht Regisseurin Im Yeonjeong schließlich den Traum aus der ersten Einstellung. Der mutigste autobiografische Dokumentarfilm, den ich dieses Jahr gesehen habe, und ein introvertierter Actionfilm.