Ein Mann läuft durch die Luft des frühen Morgens. Er läuft Tag und Nacht durch die Wälder, über die Berge und Straßen von Jeju und nimmt auch an einem Marathon teil. Doch sein Herz ist am 16. April 2014 in der Sewol gefangen. Es ist Kim Dongsoo, ein Überlebender der Katastrophe, der als „Held in der blauen Hose“ bezeichnet wird. Die ganze Nation verfolgte seinen letzten Rettungseinsatz, und er erschien auch in den Nachrichten, als er sich bei einer Anhörung zur Sewol selbst verletzte. Doch Kim Dongsoo hat keine Erinnerung an die letzten fünf Minuten jenes Tages. „Relay Race“ erzählt von Kim Dongsoo und seiner Familie und ist ein Film über Trauma. Das Medium Film ist höchst unzulänglich darin, das Unsichtbare einzufangen, doch Ko Hyojus Kamera bleibt wie Luft an der Seite dieser Familie und gewährt einen klaren Blick in das Innere dieser Menschen, die darum ringen, mit dem Trauma zu leben. Von allen bisherigen Filmen über die Sewol nähert sich dieser schmerzliche Film der Wunde am tiefsten, doch er ist auch ein strahlendes Familiendrama, das in jedem Moment das Herz streichelt.