Im Arabischen bezeichnet „Sirat“ die Brücke über die Hölle, die am Tag des Jüngsten Gerichts alle Menschen überqueren müssen. Oliver Laxes Roadmovie „Sirât“ ist ein „filmischer Trip“. Es ist eine halluzinatorische Reise durch Landschaften aus zerklüfteten Gebirgen und endlosen Wüsten, in der Marokko wie ein unbekannter Planet dargestellt wird. „Sirât“ ist auch ein intensives musikalisches Erlebnis. Der Film richtet seinen Blick auf eine Gemeinschaft, die eine riesige „Rave-Party“ organisiert. Hunderte Menschen tanzen zu dröhnender Technomusik und erhellen die Nacht. „Sirât“ ist zudem die ontologische Reise eines Vaters, der sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Tochter macht. Während er diese endzeitliche Landschaft durchquert, begegnet er seinem inneren Abgrund. Die staubaufwirbelnden, rasenden Lastwagen und die Neo-Punk-Raver erinnern an George Millers „Mad Max 4“ (2015). Zudem trägt „Sirât“ die Züge eines metaphysischen Abenteuerfilms wie William Friedkins „Atemlos vor Angst“ (1977), dessen Figuren Sprengstoff durch den Dschungel transportieren. „Sirât“, der 2025 in Cannes auf Anhieb zum schockierendsten Werk avancierte, ist eine unvergessliche Odyssee, die Sehen und Hören überwältigt, und eine moderne Pilgerreise über die Grenze zwischen Leben und Tod.