Die Nacht ist niemals bloß eine Fortsetzung des Tages. Erst wenn das Licht weicht, zeigt die Welt ihre ursprüngliche Gestalt: Das Leben pulsiert im Dunkeln, die Wahrheit erhebt in der Stille ihre Stimme. Manche bewachen die Grenzlinie und leben das lange Warten als einen Tagtraum; der Boden unter ihren Füßen gehört weder der Vergangenheit noch der Zukunft. Andere gehen in einer Sommernacht in den Wald und lassen einen beiläufigen Spaziergang zu einem Zauber werden, der die dunkle Nacht erhellt. Wieder andere halten mit unzähligen Augen dieselbe Nacht fest; unter der scheinbar ruhigen Oberfläche sind die Brüche der Nacht längst zum Alltag des Tages geworden. Wenn die Ordnung der Sonne vorübergehend außer Kraft tritt, erhält all das Übersehene, Vergessene und vom Alltag Verschüttete im Dunkeln das gleiche Gewicht. Das vergängliche Leben ist zu lang, eine Nacht zu kurz, doch gerade diese kurze Dunkelheit birgt das beständigste Licht.